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Jahresbericht

2024

Fürstenfeldbruck, 28. November 2025

2024 war ein Jahr der Vernetzung, der Workshops und der konkreten Schritte zur universitären Verankerung der integrativen Medizin. Im Mittelpunkt stand die Homöopathie als holistisches Heilsystem, das evidenzbasiert in Forschung, Lehre und Praxis etabliert werden soll.

Einleitung Meißen Kommunikation Wissenschaft trifft Praxis Masterarbeit Diagnostik Real World Evidence Lehrstuhl Psychologie Kinderasyl Ausblick

Einleitung

Durch Kooperationen mit Universitäten, Stiftungen und Experten, durch die Digitalisierung historischer Patientenakten aus Bad Wörishofen, durch die Übergabe von Repliken der Hahnemann’schen Destillationsapparate an den Meißner Hahnemann-Verein und durch die Workshops Wissenschaft trifft Praxis und Disruptive Kommunikationsstrategien wollte die Medsyne den wissenschaftlichen Austausch intensivieren, Nachwuchswissenschaftler fördern und die gesellschaftliche Akzeptanz der Homöopathie stärken.

Causticum in Meißen

Im Januar übergab Dr. Quak dem Meißner Hahnemann-Verein Originalrepliken der Hahnemann’schen Destillationskolben, zwei Destillationshelme, mehrere getrocknete Schweineblasen, Ausgangsmaterialien zur Ansicht, Kalksteine sowie Gefäße und Schalen. Der originale Versuchsaufbau zur Causticum-Herstellung wurde in den Museumsräumen aufgebaut. Ein Filmteam erstellte Aufnahmen für einen Museumsfilm. Aufgabe des Vereins ist es nun, die Materialien in eine Ausstellung zu integrieren.

Die Ausstellung der historischen Geräte ermöglicht einen praxisnahen Zugang zur Geschichte der integrativen Medizin. Durch die filmische Dokumentation wird dieses Wissen einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich und kann in der Ausbildung genutzt werden.

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Disruptive und wissensbasierte Kommunikationsstrategien

Im Oktober 2024 organisierte die Medsyne auf Gut Sedlbrunn den Workshop mit Experten aus Medizin, Psychologie, Recht und Philosophie. Ziel war es, die öffentliche Wahrnehmung von Homöopathie, Anthroposophie und integrativer Medizin zu stärken, Strategien zu entwickeln und Netzwerke zu knüpfen.

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Dr. Stefan Schmidt-Troschke, Geschäftsführer von Gesundheit Aktiv, eröffnete mit einem Impuls zu Zugängen zu Gesundheit und Chancenvielfalt. Er plädierte für ein plurales Gesundheitssystem, in dem bewährte komplementäre Ansätze neben konventionellen Methoden stehen.

Staatsminister a. D. Dr. Thomas Goppel hielt ein Grußwort. Er würdigte Homöopathie als integralen Bestandteil der Medizin und forderte politische Unterstützung für Forschung und Lehre.

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Dr. Jonas Toegel vom Institut für Experimentelle Psychologie Regensburg sprach über Nudging, Soft Power, Motivation und Propaganda. Er warnte vor medialer Manipulation in Gesundheitsdebatten und empfahl evidenzbasierte Narrative.

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Prof. Dr. Josef Franz Lindner von der Universität Augsburg beleuchtete die verfassungsrechtlichen Grundlagen des Medizinrechts. Er skizzierte das Menschenbild des Grundgesetzes, die Freiheit von Forschung und Lehre und das Sozialstaatsprinzip. Er plädierte für eine verfassungsrechtlich abgesicherte Pluralität in Wissenschaft und Praxis.

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Alexander Capistran sprach über kommunikative blinde Flecken. Er benannte defensives Auftreten, mangelnde Diversität und veraltete Narrative. Als Wege nannte er Reverse Nudging, Re-Entry und einen integralen Ansatz, der Prämodernes mit moderner Evidenz verbindet.

Prof. Dr. Sabine Döring-Manteuffel und Prof. Dr. Anna Reichlmayr-Lais stellten Historie, Bedeutung und Zukunftswirkung des Lehrstuhls Integrative Medizin vor, von den Initiativen seit 2017 bis zur Ausschreibung der Professur für Integrative Gesundheitsversorgung und Prävention im Jahr 2024.

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Prof. Dr. Christian Schubert von der Medizinischen Universität Innsbruck schloss mit der Überwindung von Dualismus und Reduktionismus. Er kritisierte das Maschinenparadigma der Biomedizin und plädierte für ein biopsychosoziales Modell und für idiografische Forschung.

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Entwickelt wurden Ansätze zur Patientenkommunikation und Öffentlichkeitsarbeit. Die Vernetzung mit den Beteiligten erhöht die Reichweite der Medsyne.

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Wissenschaft trifft Praxis

Die Reihe Wissenschaft trifft Praxis sollte den Dialog zwischen Forschung und praktischer Anwendung fördern.

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Am Samstag folgten auf Begrüßung und Vorstellungsrunde ein Rückblick auf das Rettungswesen von Jan Quak, die Masterarbeit von Rosalie Helmeke, der Vortrag von Prof. Sönnichsen für den verhinderten Dr. Pürner, der Vortrag von Prof. Dr. Thomas Baranek und die Konzepte von Prof. Dr. Anna Reichlmayr-Lais. Am Sonntag sprach Leonhard Schrenker. Danach gab es einen Open Space, eine Zusammenfassung und das Mittagessen.

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Ergebnisse der Masterarbeit

Rosalie Helmeke analysierte die Daten einer Beobachtungsstudie der Medsyne von März 2020 bis 2022 mit 7777 Antikörper-Schnelltests.

  • In der Gesamtpopulation betrug der Positivanteil 7,3 Prozent, 570 von 7777 Tests, mit steigenden Raten: 2020 8,1 Prozent, 2021 17,2 Prozent, 2022 41,9 Prozent. Im Rettungsdienst lag er niedriger, bei 2,03 Prozent, 13 von 640 Tests, hauptsächlich Langzeitimmunität.
  • Höhere Positivraten gab es in Nordrhein-Westfalen mit 20,6 Prozent, in Sachsen mit 17,4 Prozent und in Baden-Württemberg mit 12,6 Prozent. Auf Landkreisebene zeigte sich ein starker Cluster in Altötting mit 85,8 Prozent.
  • Signifikante, aber schwache Zusammenhänge bestanden zwischen Immunitätsstatus und Geschlecht, Alter, Beruf sowie Bundesland.
  • Die Medsyne-Daten lagen mit durchschnittlich 7,82 Prozent signifikant niedriger als die ALM-Daten mit durchschnittlich 10,91 Prozent.

Die Studie unterstreicht regionale Ungleichheiten und eine niedrige Durchseuchung im Rettungsdienst, mit Folgen für künftiges Pandemiemanagement.

Chancen und Grenzen diagnostischer Tests

Andreas Sönnichsen sprach, anstelle des verhinderten Dr. Pürner, über Lehren aus der Coronakrise. Der Bericht hält seine Punkte so fest:

  • Bei niedriger Prävalenz, zum Beispiel 0,2 Prozent, sinke der positive Vorhersagewert von PCR-Tests auf unter 10 Prozent. Massentests seien ohne epidemiologischen Nutzen gewesen. Empfohlen werden gezielte Tests bei vulnerablen Menschen, Seroprävalenzstudien und standardisierte ct-Werte.
  • Lockdowns und nicht-pharmazeutische Interventionen hätten keinen signifikanten Effekt auf Infektionskurven oder Mortalität gezeigt. Schäden würden überwiegen, darunter verlorene Lebensjahre durch Schulschließungen, psychische Erkrankungen und wirtschaftliche Verluste.
  • Zulassungsstudien zu Impfungen wiesen nach seiner Darstellung Verzerrungen auf. Es gebe keine sterile Immunität und eine abnehmende Effektivität. Eine Impfung empfahl er nur für Risikogruppen, keine Pflicht.
  • Die Pandemie sei mit starken Influenzawellen vergleichbar gewesen. Hospitalisierungen und Todesfälle seien überschätzt worden. Lehren seien ein Fokus auf evidenzbasierte Maßnahmen, Schutz vulnerabler Menschen und die Vermeidung von Panik.

Der Vortrag förderte den Diskurs über evidenzarme Politik und plädierte für wissenschaftliche Integrität im Gesundheitswesen.

Von RCT-Studien zu Real World Evidence

Prof. Thomas Baranek beleuchtete die Versorgungsforschung in Deutschland seit 1995, die Mahnungen des Sachverständigenrats, den Deutschen Kongress für Versorgungsforschung seit 2002 und das Deutsche Netzwerk Versorgungsforschung seit 2006, inzwischen mit 71 Mitgliedern. Deutschland werde international in diesem Feld als Entwicklungsland eingestuft, weil systematische Analysen des Versorgungsalltags lange fehlten.

Er definierte Versorgungsforschung als fachübergreifendes Gebiet zur Beschreibung, Erklärung und Evaluation der Gesundheitsversorgung unter Alltagsbedingungen. Er stellte das Throughput-Modell vor, von Input über Throughput zu Output und Outcome, und betonte den Nutzen von Registern: epidemiologische Zusammenhänge, Qualitätssicherung, Unterstützung klinischer Forschung, Patientensicherheit, Wirksamkeit, ökonomische Bewertung, Mindestmengen und Versorgungsplanung.

Register validieren Ergebnisse randomisierter Studien, bilden die Versorgungsrealität ab und identifizieren prognostische Faktoren. Zur Qualifizierung empfahl er indikationsoffene Register, die Einbindung aller Beteiligten, internationale Vernetzung und eine methodische Auswertung.

Konzepte für einen Lehrstuhl

Prof. Dr. Anna Reichlmayr-Lais stellte Konzepte für einen Lehrstuhl Integrative Medizin vor, ausgehend von bayerischen Initiativen seit 2018. Sie skizzierte die Gründung der Medsyne gGmbH 2020 und Gespräche mit Klaus Holetschek und Bernhard Seidenath, die 2023 zu einer Absichtserklärung für einen Stiftungslehrstuhl an der Universität Augsburg führten.

Sie bezog sich auf den Konzeptionsworkshop vom April 2023 mit Prof. Gustav Dobos und Prof. Yvonne Samstag. Integrative Medizin begegne einer hohen gesellschaftlichen Nachfrage und den Grenzen der Hochtechnologiemedizin in Onkologie, chronischen Erkrankungen und Prävention. Forschungsempfehlungen umfassen Grundlagenstudien, klinische und Versorgungsforschung sowie einen bayernweiten interdisziplinären Verbund.

In Lehre und Organisation plädierte sie für Module im Medizinstudium, berufsbegleitende Masterprogramme, interdisziplinäre Ambulanzen und ein Netzwerk aus Wissenschaft, Praxis und Politik. Die präsentierten Ergebnisse lieferten Erkenntnisse für Ausbildung und Versorgung. Die Diskussion um Real World Evidence trägt zu praxisrelevanten Standards bei.

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Psychologische Dimension der Coronakrise

Dipl.-Psych. Leonhard Schrenker, Psychotherapeut und Trainer für Pesso-Therapie, beleuchtete die psychologische Dimension der Coronakrise. Ausgehend von eigenen Erfahrungen kritisierte er die Erzeugung von Angst durch Politik und Medien und die Spaltung in Lager.

Er zog Parallelen zu Traumamustern: Angst lähme differenzierte Wahrnehmung und aktiviere archaische Reaktionen. Er erläuterte neurologische Prozesse und Ansätze der Pesso-Therapie. Der Vortrag warnte vor einer neuen Normalität durch Panik und plädierte für ethische Werte, Vertrauen und Offenheit.

Der Bericht hält fest, dass eine evidenzbasierte, deeskalierende Herangehensweise an künftige Krisen nötig sei, um Spaltungen zu vermeiden und emotionale Resilienz zu stärken.

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Patientenakten aus dem Kinderasyl

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In Kooperation mit der Hochschule Hannover und dem Kneipp-Verein Bad Wörishofen unterstützte die Medsyne die Digitalisierung und Auswertung historischer Patientenakten aus dem Kinderasyl von Bad Wörishofen.

Die wissenschaftliche Arbeit wurde von Prof. Baranek und Dr. Quak 2023 initiiert und Ende 2024 von zwei Hochschulabsolventinnen abgeschlossen. Die Aufarbeitung ermöglicht einen wissenschaftlichen Zugang zu historischen Behandlungsmethoden und deren Ergebnissen.

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Ausblick

Zum Zeitpunkt des Berichts, im November 2025, ist die mitinitiierte Stiftungsprofessur für integrative Gesundheitsversorgung an der Universität Augsburg mit Prof. Christian Keßler besetzt.

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Auch im kommenden Jahr setzt die Medsyne die Zusammenarbeit mit Universitäten, Stiftungen und Personen aus Wissenschaft, Politik und Praxis fort. Geplant sind Forschungsvorhaben mit dem Schwerpunkt einer evidenzbasierten Integration der integrativen Medizin, insbesondere der Homöopathie, in Grundlagen- und anwendungsorientierte Forschung, in die Lehre und in hybride Modelle der Krankenversorgung.

Trotz Widerständen aus etablierten Strukturen will die Medsyne holistische Heilsysteme wissenschaftlich darstellen. Diese betrachten den Menschen in seiner bio-psycho-emotional-sozialen Ganzheit. Bewertet werden sollen sie mit randomisierten kontrollierten Studien, Real-World-Evidence-Analysen und qualitativen Meta-Synthesen.

Der Fokus liegt auf dem interdisziplinären Austausch und auf der Vernetzung von Klinik, Forschung und Entscheidungsträgern, damit Erkenntnisse zu Wirksamkeit, Sicherheit und Kosteneffizienz in die Aus- und Weiterbildung eingehen.

Dr. Thomas Quak
Geschäftsführer

Karl-Heinz Jansen
Geschäftsführer

Prof. Dr. Anna Reichlmayr-Lais
Vorsitzende Fachbeirat

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